Emma Marie Gaedke hat bei der terra die Bereichsleitung des Ambulant Betreuten Wohnens (ABW) in Lüchow übernommen. Jetzt, nach einigen Monaten Erfahrung im neuen Tätigkeitsfeld, ist es Zeit, sie vorzustellen. Swaantje Düsenberg hat mit Emma gesprochen.
Emma, Sie sind auf einem Bauernhof in der Altmark (Sachsen-Anhalt) aufgewachsen. Der Grundstein für Ihre Natur- und Tierliebe war also gelegt. Und trotzdem haben Sie sich für einen sozialen Beruf entschieden. Wie kam das?
Emma: Nach meinem Fachabitur in Uelzen in der Fachrichtung „Gestalten“ hatte ich noch den Gedanken, in die Medien- und Werbebranche zu gehen. Aber dann habe ich rasch feststellen, dass ich doch lieber mit Menschen arbeiten möchte. Deshalb wollte ich eine Ausbildung zur Erzieherin machen, wofür ich jedoch ein längeres Praktikum in einem sozialen Bereich benötigte. Also entschied ich mich für den Bundesfreiwilligendienst in einer Kindertagesstätte, konnte mich dann erfolgreich für eine Erzieherausbildung einschreiben – und daraus ergab sich recht spontan die Möglichkeit zu einem dualen online-Studium.
Sie haben sich 2022 dann an der Internationalen Hochschule (IU) in Erfurt für den dualen Bachelor-Studiengang der Sozialen Arbeit eingeschrieben, also ein Fernstudium absolviert.
Emma: Genau. Und für ein duales Studium braucht man einen Praxispartner. Die Lehrveranstaltungen und Prüfungen fanden digital statt, aber parallel zum theoretischen Studium mussten wir über dreieinhalb Jahre kontinuierlich ein umfangreiches Anerkennungspraktikum in einer sozialen Einrichtung unserer Wahl absolvieren. Durch Bekannte wurde ich dann auf die terra aufmerksam und bewarb mich dort. Mir gefielen ganz generell das Konzept mit den landwirtschaftlichen Aufgaben für die Bewohner*innen und Nutzer*innen, ihre dortigen Beschäftigungsmöglichkeiten und auch der Wohnbereich auf dem Hof in Belau. Ich bekam dann eine Zusage. So konnte ich den Praxisteil meines Studiums bei der terra starten und in diesen dreieinhalb Jahren in viele Bereiche Einblick erhalten.
Im April 2026 haben Sie Ihr Studium erfolgreich abgeschlossen und sind nun staatlich anerkannte Sozialarbeiterin. War es für Sie schon lange klar, dass Sie bei der terra bleiben wollten?
Emma: Na ja, zunächst dachte ich, vielleicht als Erzieherin ins Berufsleben zu starten und eher mit Kindern und Familien zu arbeiten. Immerhin hatte ich als Vertiefung ja Kindheitspädagogik studiert und auch meine Bachelorthesis in diesem Bereich geschrieben.
Aber Henrik Thunecke, der terra-Geschäftsführer hatte offenbar andere Pläne mit Ihnen, als Sie noch Praktikantin waren. Er traute Ihnen offenbar schon früh die Bereichsleitung des ABW auch ohne langjährige Berufserfahrung zu.
Emma: Das stimmt – obwohl er erst noch einige Überzeugungsarbeit bei mir leisten musste. Schließlich stand ich ja vor dem Berufseinstieg, und dann gleich so eine Herausforderung… Aber Henrik sicherte mir seine volle Unterstützung und ein immer offenes Ohr zu. Das bot mir so viel Sicherheit und Ermutigung, dass ich es versuchen wollte. Also habe ich dann – noch als Studentin und Praktikantin – schon in den ersten Januartagen 2026 Christine, die zu der Zeit kommissarische Leiterin des ABW, bei ihrer Arbeit begleitet. Sie und auch das Team vom ABW erlebte ich als sehr zugewandt und stützend. So konnte ich mich schließlich darauf einlassen und bin heute sehr dankbar für diese Erfahrungen und das entgegengebrachte Vertrauen.
Welche Herausforderungen bringt die Leitungsaufgabe für Sie persönlich wie fachlich denn mit sich?
Emma: Eindeutig die eigene Strukturierung, denn ich bin ja jetzt eigenständig verantwortlich für die Organisation von Terminen und der Arbeit im ABW. Dafür muss ich auch viel vor dem Computer sitzen – was nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung ist. Aber sie ist notwendig. Darüber hinaus muss ich mir einen Überblick über die Abläufe mit den Ämtern erarbeiten, mein Team gut im Blick behalten und viel zwischen den Beteiligten koordinieren. Nicht einfach finde ich auch, mögliche Konflikte zu klären, unangenehme Gespräche zu führen oder Unstimmigkeiten auszuhalten, aber auch das sind Herausforderungen, aus denen ich viel lernen kann. Ich werde mir Tag für Tag der ganzen Tragweite meiner Verantwortung immer bewusster und wachse da Stück für Stück mehr hinein.
Ganz sicher bekommen Sie dabei viel Unterstützung, oder?
Emma: Oh, ganz wunderbare Hilfe und das von allen Seiten! Henrik Thunecke hat tatsächlich immer ein offenes Ohr für mich und ist jederzeit für Beratungen und Unterstützung bereit. Meine Kollegin Christine hat mich mit viel Geduld und noch mehr Erklärungen eingearbeitet und ist mir bei allen Fragen auch weiterhin eine große Stütze. Mit dem Team bin ich auch fast täglich im Austausch, alle sind sehr herzlich und stets offen für Fragen und Veränderungen. Auch in schwierigen Situationen können wir uns gegenseitig gut zuhören und beraten, das ist eine tolle Eigenschaft des Teams. Und nicht zu vergessen Mandy, meine Praxisanleiterin bei der terra während des Studiums, die ich immer noch jederzeit ansprechen kann. Ebenso fühle ich mich von Sandra und Beate aus der Verwaltung sowie von Christian vom Familienentlastenden Dienst der terra (FED) bestens unterstützt, gerade bei Unsicherheiten oder Unklarheiten.
Klingt nach einem ganzen Netz an Unterstützung …
Emma: …für das ich wirklich sehr dankbar bin! Andernfalls wäre es für mich viel schwerer, als Bereichsleitung beim ABW Fuß zu fassen und auch Freude an dieser Arbeit zu empfinden.
Befassen Sie sich ausschließlich mit der Organisation der Arbeit/des Teams und dem Erledigen der Bürokratie – oder übernehmen Sie auch selbst Assistenzen?
Emma: Ja, ich habe von Anfang an bei einer Klientin selbst die Assistenz übernommen. Aufgrund ihres hohen Unterstützungsbedarfs bin ich mehrere Tage in der Woche bei ihr. Wenn es meine Zeit wieder zulässt, bin ich aber auch für weitere Assistenzen offen. Diese Aufgabe ist ein guter Ausgleich zu den Tätigkeiten im Büro, und außerdem – das hatte ich schon erwähnt – wollte ich schon immer direkt mit Menschen arbeiten. Dass dies beim ABW möglich ist, finde ich sehr schön.
Wie sieht Ihr „normaler“ Arbeitstag eigentlich jetzt aus?
Emma: Das kommt darauf an, ob Versammlungen oder Termine anstehen. In dem Fall beginnt mein Tag früher am Morgen, sonst aber zwischen 10 und 11 Uhr im ABW-Büro in Lüchow. Dort arbeite ich in der Regel bis kurz nach 15 Uhr. Während dieser Zeit kommen regelmäßig Mitarbeitende vorbei, um über Assistenzen, bevorstehende Termine oder Veränderungen zu sprechen. Kurz nach 15 Uhr mache ich mich dann auf zu meiner Assistenz und habe dann zwischen 18 und 19 Uhr Feierabend.
Danke für das Interview, Emma. Und weiterhin viel Geduld im Dschungel der Bürokratie sowie ganz viel Freude bei Ihrer Arbeit mit den Menschen!
(Das Foto zeigt Emma Marie Gaedke mit einem Kollegen im ABW-Büro in Lüchow.)
