Terra-Geschichten Folge 26: „Verflixt, mir fehlt noch Brot!“

Bei der terra schreibt das Leben schöne Geschichten. In manchen geht es um herausragende Fähigkeiten oder bemerkenswerte Entwicklungsschritte einzelner Menschen. Andere handeln von kleinen, ganz alltäglichen Momenten. So wie die Geschichte von Lena S., die plötzlich vor geschlossener Ladentür stand.

Lena aus Lüchow hatte einen ganz normalen Samstag vor sich. Dachte sie jedenfalls. Denn manchmal hält das Leben kleine Überraschungen bereit – besonders dann, wenn man im Kalender nur die beruflichen Termine gut im Blick behält.

Am Freitag, den 30. Oktober, war Lena noch engagiert im Einsatz gewesen. Sie arbeitet als Assistenzkraft beim Ambulant Betreuten Wohnen der terra und begleitet Menschen dabei, ihren Alltag möglichst selbstständig zu gestalten. An diesem Freitag hatte sie gemeinsam mit einer von ihr betreuten Klientin den Wochenendeinkauf vorbereitet. Einkaufszettel schreiben, überlegen, was gebraucht wird, und schließlich gemeinsam durch die Supermarktregale gehen: Alles war bestens organisiert und erledigt.

Feierabend und Füße hoch

Jetzt konnte Lena verdient in ihren Feierabend starten. Zu Hause streckte sie erstmal gemütlich die Beine aus. Füße hoch, Decke über die Knie und den Fernseher an – so hatte sie sich den Abend vorgestellt. Doch irgendwann meldete sich ein kleiner Hunger.

„Eine schöne Käsestulle wäre jetzt genau das Richtige“, dachte Lena, erhob sich vom Sofa, ging in die Küche und schaute in den Brotkasten. Nichts als gähnende Leere. Kein Brot weit und breit! „Na gut“, murmelte sie, „dann müssen heute eben ein Joghurt und ein Apfel reichen.“ Doch bevor sie es sich damit auf dem Sofa wieder gemütlich machte, ergänzte Lena ihre persönliche Einkaufsliste noch um den fehlenden Punkt: BROT!

Am nächsten Morgen, dem 31. Oktober, griff Lena dann gut gelaunt zu Einkaufskorb und Liste. Auf ging es zum Supermarkt! Doch schon auf dem Weg dorthin kam es ihr merkwürdig vor, dass auf den Straßen so wenig los war. Kaum Menschen unterwegs, kaum Verkehr und für einen Samstag irgendwie eine ungewohnte Ruhe in der Stadt.

Dann stand Lena vor dem Supermarkt. Geschlossen! Sie schaute auf die Eingangstür, auf die Öffnungszeiten, dann wieder auf die Tür. Was ist denn hier los? Haben die etwa alle verschlafen? Nein, natürlich nicht. Das Geschäft war ganz einfach wegen eines Feiertages geschlossen. Da fiel es Lena wie Schuppen von den Augen: Ach herrje, heute ist ja der 31. Oktober – Reformationstag! Den hatte sie glatt vergessen.

Was bedeutet der Reformationstag?

Der Reformationstag wird jedes Jahr am 31. Oktober gefeiert. Er erinnert an ein wichtiges Ereignis in der Geschichte des Christentums: Am 31. Oktober 1517 soll der Theologe und Mönch Martin Luther seine 95 Thesen gegen Missstände in der damaligen Kirche an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen haben. Damit wollte Luther eine Diskussion über die Kirche und ihre Praktiken anstoßen. Besonders scharf kritisierte er die damaligen Ablassbriefe, mit deren Erwerb sich Menschen angeblich einen Nachlass ihrer Sündenstrafen erkaufen konnten. Ein einträgliches Geschäft für die katholische Kirche!

Luthers Gedanken lösten eine große Bewegung aus. Die Reformation führte letzlich zur Spaltung der westlichen Christenheit in die römisch-katholische und die protestantische Kirche und auch zu Veränderungen in der Gesellschaft.

In der heutigen Zeit wurde der Reformationstag traditionell vor allem in den ostdeutschen Bundesländern gefeiert, die historisch stark vom Protestantismus geprägt sind. In Niedersachsen wurde der Tag erst 2018 als gesetzlicher Feiertag eingeführt – mit der Konsequenz, dass alle Läden geschlossen sind. Genau damit war nun auch Lena konfrontiert!

Und was wurde aus Lenas Brot?

Tja, die Sache mit dem Einkauf hatte sich für Lena am Reformationstag erledigt. Sie musste sich für dieses Wochenende mit dem begnügen, was ihr Kühlschrank noch so hergab.

Aber Lena hatte auch Glück, dass nebenan eine liebe Nachbarin wohnt. Als die am Samstag Lenas leeren Einkaufskorb sah und von ihrer Schusseligkeit bei einem kleinen Plausch im Hausflur hörte, meinte sie spontan: „Mensch, das ist doch kein Problem! Ich kann dir doch ein paar Scheiben Brot leihen.“

So war Lenas Wochenende doch noch ein bisschen gerettet. Und während sie am Samstagabend gemütlich auf ihrem Sofa saß und ihre „geliehene“ Käsestulle genoss, dachte sie so bei sich: Eine gute Nachbarschaft ist viel Wert, und die haben wir gerade erneuert. Ein schöner Gedanke am Reformationstag – Erneuerung! Genau das bedeutet Reformation nämlich.


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