Ein schriller Ton durchschnitt im März die gewohnte Ruhe im Werkraum der terra. Doch diesmal war es kein technischer Defekt, kein unerwarteter Fehlalarm – sondern volle Absicht. Geschäftsführer Henrik Thunecke hatte für März und April eine Reihe von Probealarmen angesetzt. Ein Schritt, der aus Erfahrung geboren ist.
In der Vergangenheit hatte die terra mehrfach mit Fehlalarmen zu tun, die auf technische Probleme zurückzuführen waren. Diese sind inzwischen längst behoben. Die Nachwirkungen jedoch bleiben. „Sie erhöhen nämlich das Risiko, dass ein echter Alarm möglicherweise nicht mehr ernstgenommen wird“, erklärt Thunecke. Genau hier setzt die Idee der Probealarme an.
Solche Tests gehören in vielen Einrichtungen zum festen Bestandteil der Sicherheitskultur. Sie dienen nicht nur dazu, technische Abläufe zu überprüfen, sondern vor allem dazu, Menschen mit den richtigen Reaktionen im Ernstfall vertraut zu machen. Wer einmal geübt hat, wie er sich bei einem Alarm verhält, reagiert im Ernstfall ruhiger, schneller und zielgerichteter. Gerade in einer Einrichtung wie der terra, in der viele Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf leben und arbeiten, ist das von entscheidender Bedeutung.
Den Auftakt der Testreihe bildete der Werkraum im März. Und das Ergebnis überraschte selbst den Initiator positiv. „Das hat wider Erwarten hervorragend geklappt“, berichtet Thunecke sichtlich erfreut. „In nicht einmal drei Minuten haben sich alle in Sicherheit gebracht.“
Im April wird das Konzept nun fortgesetzt – Haus für Haus, jeweils separat. Jedem Probealarm geht dabei eine Begehung mit der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr voraus. Denn im Ernstfall zählt jede Sekunde, und dafür müssen die Einsatzkräfte die räumlichen Gegebenheiten genau kennen: Zugänge, Fluchtwege, Besonderheiten der Gebäude.
Zum Probealarm gehört regelmäßig auch eine Belehrung der Terraner*innen über mögliche Brandgefahren im Alltag. Ein besonders eindrückliches Beispiel ist das Rauchen. Eine achtlos entsorgte Zigarette, in der noch ein Fünkchen Glut steckt, kann im schlimmsten Fall eine Katastrophe auslösen. Deshalb gilt bei der terra eine klare Regel: Geraucht wird ausschließlich an ausgewiesenen Plätzen – und Zigaretten werden im Aschenbecher sorgfältig ausgedrückt. Dieses Beispiel steht stellvertretend für viele weitere Hinweise, die im Rahmen der Unterweisungen gegeben werden.
Abgesehen von diesem bewusst inszenierten „Alarmzustand“ verlief der März bei der terra ruhig und unspektakulär. Die Lammzeit näherte sich ihrem Ende, und mit dem langsam einsetzenden Frühling verlagerte sich das Leben wieder mehr nach draußen. Die Fußballer trainieren seitdem wieder unter freiem Himmel, und auch die Reiterinnen und Reiter genießen ihren therapeutischen Sport an der frischen Luft. Lediglich die Theatergruppe bleibt für ihre Proben weiterhin in der Tenne – ganz unabhängig von der Jahreszeit.
So zeigt sich: Sicherheit, Routine und ein wachsendes Maß an Aktivität im Freien prägten den März gleichermaßen. Und der Probealarm im Werkraum war am Ende kein Grund zur Sorge, sondern ein gutes Zeichen dafür, dass im Ernstfall alle wissen, was zu tun ist.
