Im Freilichtmuseum Diesdorf haben vierbeinige Saisonkräfte für dieses Jahr soeben ihren Dienst beendet. Nach Monaten zwischen historischen Bauernhäusern und neugierigen Besuchern ging es für die kleine Schafherde, die in Wirklichkeit der terra gehört, zurück nach Belau.
Die Museumssaison ist vorbei – und auch für vier bis fünf wollige Mitarbeiterinnen heißt es für dieses Jahr: Feierabend! Die Schafe, die in den vergangenen Monaten das Freilichtmuseum Diesdorf bevölkert haben, sind wieder in ihrem Heimatstall bei der terra angekommen. Dort wartet die große Herde auf die Langzeit-Ausflügler – was für ein Wiedersehen!
Jedes Jahr von April bis Ende Oktober dürfen vier bis fünf Tiere der terra auf Zeit ins Museumsdorf einziehen. Auf der Wiese zwischen den historischen Gebäuden genießen sie dann ihren Aufenthalt, knabbern am Grün und lassen sich von den Museumsgästen bestaunen. Hektik? Offenbar ein Fremdwort. Während Menschen von Gebäude zu Gebäude spazieren, bleiben die Schafe ganz entspannt bei ihrer Lieblingsbeschäftigung. Und nebenbei machen sie das Museumsleben noch ein ordentliches Stück authentischer.
Denn wer durch das Diesdorfer Freilichtmuseum schlendert, soll möglichst anschaulich erleben können, wie die Menschen in früheren Jahrhunderten auf dem Land lebten und arbeiteten. Da passt die ausgeliehene tierische Bevölkerung natürlich bestens ins Bild. Schließlich gehörten Schafe, Schweine und andere Nutztiere einst ganz selbstverständlich zum bäuerlichen Alltag.
Ein Dorf wie aus einer anderen Zeit
Das Freilichtmuseum Diesdorf zählt zu den ältesten Museumsdörfern Deutschlands. Seine Geschichte reicht bis ins Jahr 1911 zurück. Inzwischen ist auf rund sechs Hektar ein kleines historisches Universum entstanden: Mehr als 25 Gebäude aus dem 17. bis 20. Jahrhundert zeigen, wie unterschiedlich die Höfe und das Leben auf dem Land einst aussahen.
Mitten im idyllischen Hansjochen-Winkel der Altmark begegnen die Gäste hier einer Welt, in der noch die Bockwindmühle ihre Flügel dreht, der Schmied am Feuer arbeitet und das Brot im Backhaus entsteht. Eine alte Dorfschule, eine Kirche, ein Taubenturm, Speicher und Bauernhäuser gehören ebenso zum Ensemble wie die nach historischen Vorbildern angelegte Gärten oder die Felder und Waldstücke. Auch Torhäuser und weitere Wirtschaftsgebäude erzählen von einer Zeit, in der vieles noch von Hand erledigt werden musste.
Besonders lebendig wird es bei den Aktionstagen. Dann wird in der Dorfschule unterrichtet, an Esse und Amboss gehämmert oder in der Mühle die alte Technik vorgeführt. Handwerk, Landwirtschaft und ländliches Brauchtum bekommen Gesichter, Gerüche und Geräusche. Dazu gibt es Musik, Unterhaltung und regionale Leckereien. Die Schafe sind dabei mehr als bloße Kulisse: Sie erinnern daran, dass Tiere zum Dorfleben früherer Generationen einfach dazugehörten.
Wer nicht bis zum nächsten Aktionstag warten möchte, kann das Museumsdorf auch bei einem individuell vereinbarten Gruppenbesuch erkunden. Neben Führungen stehen Kurse und Mitmachangebote für jedermann auf dem Programm. Hier darf nicht nur gestaunt, sondern auch selbst ausprobiert werden.
Und weil so viel Geschichte hungrig macht, wartet im Museumscafé eine gemütliche Pause. Hausgemachte Torten und kleine Speisen lassen sich in der Saison auf der Terrasse fein genießen. Im Museumsladen gibt es außerdem Gelegenheit zum Stöbern. Für die jüngsten Gäste sorgen auch ein Naturspielplatz mit Wasserpumpe und ein Barfußpfad für Abwechslung.
Wiedersehen in der nächsten Saison
Die Schafe allerdings müssen sich nun erstmal wieder in den Verband ihrer großen terra-Herde in Belau einrichten. Ihr Sommer im Freilichtmuseum ist vorbei. Bis zur nächsten Saison bleibt den Museumsfreunden die Vorfreude – und den wolligen Urlaubern hoffentlich die Erinnerung an schöne entspannte Monate zwischen Fachwerk, alten Höfen und vielen neugierigen Blicken.
Die terra findet dieses schon viele Jahre bestehende Arrangement mit dem Freilichtmuseum Diesdorf übrigens ganz wunderbar. Schon allein deshalb, weil es zum Ausgleich für die kostenlosen tierischen Leihgaben jedes Jahr Freikarten gibt. Und die gelten dann nicht nur für den Eintritt beim Kooperationspartner, sondern zusätzlich auch für das Danneil-Museum in Salzwedel, das die Stadtgeschichte sowie Spuren der frühen Besiedlung der Altmark zeigt, sowie für die Langobardenwerkstatt Zethlingen, die Kultur und Lebensweise der in der Altmark siedelnden Germanen während der Römischen Kaiserzeit lebendig werden lässt.
Foto: museen-altmarkkteis.de / Freilichtmuseum Diesdorf: Lebendige Geschichte
