Baumpflanzaktion: terra gestaltet Ort des Gedenkens

Der Verlust eines Menschen aus unserer Mitte bedeutet immer einen tiefen Einschnitt im Leben. Zuletzt hatte die terra von ihrem Bewohner Michael D. Abschied nehmen müssen. Nun lässt sie auf ihrem Gelände für verstorbene Bewohner mit jungen Obstbäumen einen Ort des Gedenkens entstehen.

Abschied und Trauer gehören zum Leben

Trauer ist ein natürlicher Prozess, der Zeit, Zuwendung und Raum benötigt. Orte des Gedenkens – etwa Friedhöfe, Erinnerungsstätten oder auch private Erinnerungsorte in der Wohnung – spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie schaffen eine Verbindung zwischen dem, was war, und dem, was bleibt und was wird.

Solche Orte bieten Halt in einer Zeit, in der einiges ins Wanken geraten kann. Man kann dort bewusst innehalten, sich erinnern und das Gefühl der Nähe zur verstorbenen Person wachhalten. Diese sichtbare Form des Gedenkens ermöglicht es vielen, ihre Trauer besser zu verarbeiten und Gefühle nicht allein im Inneren tragen zu müssen.

Außerdem sind Orte des Gedenkens ein Zeichen dafür, dass Verstorbene weiterhin einen Platz im Leben der Hinterbliebenen haben. Sie machen deutlich, dass die Beziehung zu einem Menschen nicht endet, nur weil sein körperliches Leben vorbei ist. Das vermittelt Trost und kann helfen, die eigene Lebensgeschichte als fortlaufend zu erleben. In diesem Sinne sind Orte des Gedenkens für alle Menschen hilfreich – und für Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung oft ganz besonders wichtig und eine anschauliche Unterstützung, um Erlebnisse und Gefühle einordnen zu können. Denn ein konkreter aufsuchbarer Erinnerungsort ermöglicht

  • begreifbare Trauer: Jemand ist nicht mehr da ist – und bleibt dennoch weiter wichtig.
  • emotionale Orientierung: Hier kann ich Gefühle ausdrücken, die sonst schwer in Worte zu fassen wären.
  • soziale Teilhabe: Ein gemeinsames Aufsuchen des Erinnerungsortes kann zeigen, dass Trauer kein isoliertes Erleben ist und zum Leben dazugehört.
  • gestärkte Identität: Die Erinnerung an verstorbene Bezugspersonen trägt dazu bei, die eigene Lebensgeschichte zu verstehen und sich als geliebter Teil sozialer Beziehungen zu verstehen.

Für verstorbene Bewohner*innen ein Bäumchen auf der Wiese

Lange gab es bei der terra keinen wirklichen Ort, an dem Bewohner*innen, Angehörige, Freunde und Mitarbeitende verstorbenen Bewohner*innen gedenken konnten. Zwar erinnerte eine Wand mit Messingschildern an die Namen der Verstorbenen, doch mit den Jahren verwitterten die Schilder zunehmend. Niemand konnte sich dauerhaft um deren Pflege kümmern.

So entstand der Wunsch nach einer neuen, lebendigen Form des Gedenkens, und die Idee einer Baumpflanzaktion war geboren. Beim Sommerfest wurde deshalb zu einer Spendenaktion und tatkräftige Mithilfe aufgerufen, um auf der großen Wiese der terra für verstorbene Bewohner*innen Obstbäume zu pflanzen. Für jede und jeden ein Bäumchen. Die Idee dahinter: Ein Baum wächst weiter, trägt Früchte und steht als sichtbares Zeichen dafür, dass die Erinnerung an die Verstorbenen lebendig bleibt.

Auch wenn bei der Spendenaktion nur wenig Geld zusammenkam, wurde diese schöne Idee nun umgesetzt. Fünf tatkräftige Männer – terra-Geschäftsführer Henrik Thunecke sowie die Bewohner Günter M., Oskar S., Kevin K. und Rudi S. – nahmen die Aufgabe, Spaten und Schaufeln in die Hand und pflanzten alle Bäume selbst.

Insgesamt haben sie 16 regionale Obstbäume als Halbstämme gesetzt: zwei Süßkirschen, zwei Sauerkirschen, je zwei Pflaumen- und Birnbäume, sieben Apfelbäume und ein Pfirsichbaum.

Nun steht auf der Wiese schon eine kleine Obstbaumplantage, die im Laufe der nächsten Jahre und Jahrzehnte wachsen wird. Jeder einzelne Baum symbolisiert einen Menschen, der bei der terra gelebt hat, der wichtig war und der nicht vergessen wird. So ist ein liebevoller Erinnerungsort entstanden – offen für alle, die die Nähe zu den Verstorbenen suchen und ein Stück ihrer Geschichte weitertragen möchten.


Zurück zu Aktuelles