Ausflug: Auf Kuschelkurs mit Kamelen

Kaum zu glauben – Kamele im Wendland? Und das als Haustiere? Jawohl, wie man im wunderschönen Dorf Brandleben bestaunen kann. Ein guter Anlass für einen Ausflug, dachten sich die Betreuer*innen und Nutzer*innen des Werkraums, der zur Tagesförderstätte der terra gehört. Gesagt, getan: Im September machte sich das ganze Team auf zum Kuscheln mit Kamelen.

Auf ihrer Homepage erzählt Familie Grziwa, wie es zu ihrer ungewöhnlichen Haustierhaltung kam: „Es war sozusagen Liebe auf den ersten Blick.“ Zuerst haben sie sich ganz allgemein mit diesen Tieren befasst, rein theoretisch. Dann wurden sie eines Tages gefragt, ob sie nicht zwei Trampeltiere aufnehmen könnten. „Es bedurfte keiner langen Bedenkzeit – Anfang März 2020 zog eine kleine Karawane über den Elbdeich nach Brandleben.“

Mittlerweile ist die Herde auf sechs Tiere angewachsen: Alvin (*2011), Dino (*2014), Fritz (*2019), Luise (*2019), Lotte (*2020) und Lucie (*2021). Es handelt sich um Trampeltiere, Dromedare und Lamas, die alle zur Familie der Kamele gehören. Trampeltiere und Dromedars sind sogenannte „Altweltkamele“, die sich durch ihren Höcker, ihre Größe und ihre langen Beine von den sogenannten „Neuweltkamelen“ unterscheiden, zu denen auch das höckerlose Lama gehört.

Auf Augenhöhe

Angekommen bei Familie Grziwa, konnte die Herde auf der Weide sofort gesichtet werden. „Wir haben vom Besitzer viele interessante und auch lustige Informationen zu den großen Tieren erhalten“, erzählt Werkraum-Mitarbeiterin Emma, die den Ausflug mitbegleitet hat. Auf der Weide folgten dann direkte Begegnungen. Während einige Ausflügler mit ein bisschen Abstand beobachteten, wie ein Trampeltier vor den Gästen sprichwörtlich „in die Knie ging“ und sich somit auf Augenhöhe präsentierte, trauten sich andere die ganz nahe Begegnung zu. Das gutmütige Tier ließ sich sogar ins Maul schauen und die Reihe seiner gelben Zähne sehen. 

„Anschließend wollten wir dann einen Spaziergang mit den Lamas machen“, berichtet Emma weiter, „aber leider hatten die Tiere an diesem Tag keine Lust dazu.“ Und was ein Lama nicht will, das will es nicht! Na gut, dann eben kein Spaziergang. Dafür machte die Gruppe anschließend einen Seitensprung zur Dömitzer Eisenbahnbrücke. Dort genoss sie die wundervolle Aussicht, obwohl es recht windig war. Dieser schöne Ausflug mit seinen „tierischen“ Erlebnissen wurde bei leckerem Essen im Hotel Dömitzer Hafen beschlossen. Von hier aus eröffnete sich eine wundervolle Sicht auf den Fluss und die Boote.

Klarer Fall, dass in der Tischrunde auch noch mal über die Kamele gesprochen wurde. Hier ist über sie noch ein wenig mehr zu erfahren:

Trampeltiere…

haben zwei Höcker, in denen sie für Hungerperioden Fett speichern können.Deshalb kommen diese Pflanzenfresser auch bis zu 30 Tage ohne Nahrung aus.Darüber hinaus besitzen sie ein besonderes Magensystem mit mehreren Kammern, die innerhalb von 10 Minuten einen großen Wasservorrat (bis zu 150 Liter) aufnehmen können. So halten Trampeltiere auch Durstperioden von bis zu zwei Wochen aus, ohne Wasser zu trinken.

Als Last- und Nutztiere sieht man sie in Asien sehr häufig, der Bestand freilebender Tiere ist jedoch stark vom Aussterben bedroht. So ein Trampeltier ist schon beeindruckend mit seiner Länge von bis zu drei Metern und einer Schulterhöhe von immer noch bis zu 2,30 Meter. Ihr Fell variiert von sandgrau bis dunkelbraun und sieht manchmal ganz „zerrupft“ aus. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Im Winter schützt ihr dickes, langes Fell vor kalten Temperaturen. Sobald es jedoch wärmer wird, erfolgt ein abrupter Fellwechsel, der dann diesen „gerupfte“ Eindruck verursacht.

Trampeltiere haben einen langen Hals, einen langgezogenen Kopf – und wunderschöne Augen mit gaaaanz langen Wimpern. Das jedoch nicht der Schönheit wegen, sondern zum Schutz etwa vor Sandstürmen und anderen Witterungseinflüssen. Sie ernähren sich hauptsächlich von Gräsern, leben in Haremsgruppen und wurden schon um 2500 Jahre vor Christus vom Menschen domestiziert.

Dromedare…

… haben nur einen Höcker. Sie dienen vorwiegend in weiten Teilen Asiens und Afrikas als Last- und Reittier, wurden aber etwa auch auf dem Balkan, den Kanarischen Inseln und sogar in Australien (von Indienaus) eingeführt. Freilebende Populationen gibt es – bis auf in Australien – heute leider nirgends mehr.

Diese Tiere wurden vermutlich Ende des 2. Jahrtausends vor Christus auf der Arabischen Halbinsel domestiziert – ursprünglich hauptsächlich als Milchlieferant und später auch als Fleisch- und Lederlieferant für den Menschen.

Ihre Gestalt und ihre Körpergröße ähneln denen der Trampeltiere, ihr Fell ist jedoch häufig heller. Wie alle Kamele haben auch Dromedare zwei Zehen, die anstatt mit Hufen mit schwieligen Polstern versehen sind. Auch ihr Verdauungssystem und ihre Anpassungsfähigkeit an wüstenähnliche Lebensräume sind mit ihren zweihöckrigen Verwandten zu vergleichen. 

Lamas…

…hingegen haben gar keinen Höcker. Sie sind auch deutlich kleiner als die Altweltkamele, erreichen eine Schulterhöhe von „nur“ höchstens 1,40 Meter. Ihr Fell kommt in allen Variationen vor – mal einfarbig weiß, braun oder schwarz, mal bunt gefleckt, anders gemustert oder gar gepunktet. Als Kamele sind aber auch sie Pflanzenfresser, haben an den Füßen Sohlenpolster, und ebenfalls ist ihre Oberlippe gespalten und ausgesprochen beweglich. 

Lamas sind in den südamerikanischen Anden beheimatet. Hier dienen sie hauptsächlich als Lasttiere und oft auch als Leder- und Wolllieferant – obwohl die Wolle der verwandten Alpakas als wertvoller gilt. Heute werden in Südamerika rund drei Millionen Lamas gehalten, weil sie neben der Wolle auch Fleisch bieten.

Diese kleinen Kamele leben in Herden, jeweils angeführt von einer Stute. Geraten sie unter Stress, senden sie dem „Feind“ oder Konkurrenten eine unübersehbare Warnung: Sie spucken ihn an und sind dabei ziemlich treffsicher! Den halb verdauten, grünlichen, streng riechenden Mageninhalt bekommen aber meist nur andere Tiere zu spüren. Wird hingegen ein Mensch Opfer einer solchen Spuckattacke, was nur äußerst selten vorkommt, so entweder von einem fehlgeprägten Tier oder von einem Tier, das vom Menschen zuvor zu sehr bedrängt oder gar gequält wurde. Ansonsten sind Lamas ausgesprochen friedliebende, sanfte und gutmütige Kamele, die deshalb auch in der tiergestützten Therapie eingesetzt werden.   

Impressionen


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