Sommerfest: Ein richtig glücklicher Tag

Ich verfolge die engagierte Arbeit der terra est vita schon seit vielen Jahren und versuche, möglichst auch das alljährliche Sommerfest auf dem landwirtschaftlichen Hof der terra in Belau regelmäßig zu besuchen.

Am 22. August 2026 ist es wieder so weit. Also steige ich ins Auto und mache mich auf den 125 Kilometer langen Weg quer durch die Landkreise Celle, Uelzen und Lüchow-Dannenberg. Eigentlich ist für diesen Tag Regen angesagt. Doch der Himmel hat offenbar andere Pläne: Blau, soweit das Auge reicht, und dazu strahlender Sonnenschein. Entlang der kleinen Land- und Kreisstraßen stehen Birken Spalier, ich durchquere kleine Dörfer und größere Waldstücke, dann öffnet sich die Landschaft wieder. Felder voller Sonnenblumen leuchten in der Sonne, und gelegentlich zwingen mich Trecker zu einer kleinen Geduldsprobe. Landpartie eben.

ANKOMMEN IN BELAU

Um 15 Uhr soll es in Belau losgehen, zehn Minuten früher ankommen ist Pflicht. Schließlich biege ich von der Belauer Landstraße in Richtung Dorfplatz ab. Um das Rund scharen sich alte Gehöfte – und auf den davorliegenden Grasflächen stehen inzwischen dicht an dicht die Autos der Sommerfestgäste. Ich stelle meinen Wagen dazu und betrete durch den Hofeingang das Kopfsteinpflaster von Belau 6.

Sofort ist zu spüren: Hier wird heute gefeiert! Eine ganze Reihe von Langtischen unter Sonnensegeln lädt zum Sitzen ein. Geradeaus fällt mein Blick auf die altehrwürdige Tenne. Rechts ist eine erhabene Bühne vor dem Schuppen errichtet, links wartet der bereits gut belagerte Getränkewagen auf durstige Gäste. Im Hintergrund ragt das Dach des Haupthauses über die alten, stolzen Obstbäume, die tief im Saft stehen. Auf dem Rasen davor steht das Festzelt, in dem es bald Kaffee mit Kuchen und gegen Abend auch etwas lecker Deftiges geben wird.

Überall tummeln sich schon Grüppchen. Bewohnerinnen und Bewohner, Nutzerinnen und Nutzer mit Freunden und Angehörigen, viele Mitarbeitende der terra aus Belau und Lüchow, die heute frei haben und mitfeiern können, dazu externe Gäste wie ich, Nachbarn, Unterstützerinnen und Unterstützer. Viele Gesichter kenne ich schon von früheren Besuchen. Hier ein Hallo, dort ein kurzes Gespräch, da die Freude über ein Wiedersehen.

So treffe ich beispielweise auf einen Bewohner, der lange schwer krank war und sich inzwischen ziemlich berappelt hat. Ich weiß, dass er wieder mit großer Spielfreude zum Ensemble der terra-eigenen Theatergruppe gehört. Und genau darauf habe ich mich schon gefreut: Die Premiere des neuen Stücks ist für mich bei jedem Sommerfest immer ein echtes Highlight. Doch daraus wird diesmal nichts, denn Andrea Leonhardt, die die Künstlertruppe seit sechs Jahren leitet, ist leider erkrankt. Total schade, denke ich zunächst enttäuscht. Aber dann natürlich ganz schnell: Gute Besserung, liebe Andrea!

EIN HERZLICHES WILLKOMMEN

Während sich das Wetter weiterhin alle Mühe gibt, bilderbuchhaft zu glänzen, klettert die Terra-Band auf die Bühne. Aha, kurz nach drei – jetzt kann`s losgehen, der Sound ist schon gecheckt. Stefan sitzt bereits am Keyboard, Oskar greift zur Gitarre. Martina bedient ein faszinierendes Perkussionsinstrument, einen Mark Tree mit 28 Stäben, der jedem Stück eine ganz eigene Farbe und einen Hauch von Zauber verleiht. Zwischendurch schlägt sie auch das Becken. Katja ergänzt die Percussion wahlweise mit Regenmacher oder Ozeantrommel und erzeugt damit einen Klang, der tatsächlich ein wenig nach Meeresrauschen klingt. Die Band ist ursprünglich aus der Trommelgruppe hervorgegangen und wird seit Langem von Thorsten Urban geleitet. Ein toller Musiker und Percussionist, der natürlich auch heute selbst mit auf der Bühne steht und der Band mit der Gitarre Halt und Rhythmus gibt.

Ich setze mich zu Jochen und Elke an einen Tisch, zwei von der terra betreute Menschen, die sich richtig, richtig liebhaben und hier ein Paar geworden sind. Wir drei finden es schön, dass das Sommerfest musikalisch beginnt. Die mal sphärischen, mal fast südamerikanisch anmutenden Klänge tragen weit über den Hof und locken aus allen Ecken weitere Gäste herbei. Bald ist der Vorderhof proppenvoll. Zwischen den Stücken brandet viel Applaus auf, eine wundervolle Atmosphäre!

Anschließend gilt die ganze Aufmerksamkeit Henrik Thunecke. Der Geschäftsführer der terra heißt die Gäste herzlich willkommen und hat – wie jedes Jahr – den terra-Schatzkoffer mit auf die Bühne gebracht. Wir „alten Hasen“ kennen das schon: In diesem Koffer stecken stets überraschende „Aufhänger“ für seine folgenden Worte. Heute fördert Henrik ein altmodisches Jackett und einen bunten Schlips zutage und streift sich beides über. Schon die Muster verraten es: Voll die Achtziger! Und als wäre das nicht genug, setzt er sich auch noch eine gelbblonde Perücke auf sein kurzgeschorenes Haar.

Das Publikum lacht und johlt bei dieser Aktion. Henrik aber macht aus seiner Verkleidung eine kleine Lektion in Sachen Wertschätzung: „Genau, Leute, 80er Jahre! Damals gab es im Westfernsehen Dieter Thomas Heck, der über Jahrzehnte die Hitparade moderiert hat. Für mich war aber nicht so sehr die präsentierte Musik bemerkenswert als vielmehr, wie der Mann den Abspann jeder einzelnen Sendung gestaltet hat. Da hat der Moderator nämlich in seiner typisch schnellen Sprechweise alle aus seinem Team namentlich vorgestellt, jeden einzelnen, den Beleuchter wie den Tontechniker, die Kabelhalter, die Redaktion und selbst die Praktikanten. Der Mann wusste, dass seine Sendung ohne dieses Team nicht funktioniert und nur mit dem Team gelingen kann. Und das werde ich jetzt auch machen, weil`s bei uns nämlich genauso ist!“

Und das macht Henrik Thunecke dann auch tatsächlich. Er verliest die gesamte Terra-Mannschaft in Schnellsprechmanier: 47 Vor- und Zunamen für den Familienentlastenden Dienst (FED) in Lüchow, sieben Namen für die Assistenzkräfte des Ambulant Betreuten Wohnens (ABW), zwölf Namen für die Mitarbeitenden im Team Wohnen in Belau, vier Namen für die Nachtdienste, elf Namen für die Beschäftigten in der Tagesförderstätte und acht in der Verwaltung. „Und dazu natürlich noch unsere Ehrenamtliche“, sagt Henrik und holt einmal tief Luft. „Allen sage ich DANKE für euer tolles Engagement!“

Es folgt ein herzlicher, kräftiger und vor allem verdienter Applaus für die ganze Mannschaft. Ein schöner Moment, denn hinter einer Einrichtung wie der terra stehen eben nicht nur Konzepte und Angebote, sondern vor allem Menschen, die jeden Tag dafür sorgen, dass diese Arbeit gelingt.

Der Geschäftsführer stellt anschließend noch rasch das weitere Programm des Nachmittags vor – und erwähnt auch, dass wir heute leider auf die Theatervorstellung verzichten müssen. Ich sehe es den anderen Gesichtern an: Nicht nur ich hätte das neue Stück gern gesehen. Doch Trübsal ist hier heute trotzdem nicht angesagt. Erst einmal wartet Kaffee auf uns. Und Kuchen. Apfelkuchen, Pflaumenkuchen und Butterkuchen mit einem ordentlichen Schlag Sahne obendrauf. Vor diese Kombination kann man sich einfach nicht retten…

PONYREITEN UND LEBEND-KICKER

Gut gestärkt schlendere ich dann über das weitläufige Hofgelände am kleinen Hausflohmarkt vorbei und lande beim Ponyreiten. Vor der hinteren großen Scheune stehen zwei prachtvolle Tiere in der Sonne: der Haflinger „Astor“ und der Minifriese „Stella“. Gestriegelt, gesattelt und mit hübsch eingeflochtener Mähne warten Pferde geduldig auf ihren Einsatz. Zwei Mädchen vom Reiterhof Schulz in Bergen/Dumme, Anna-Lena und Lena, führen die beiden Ponys und erwarten nun sattelfeste Gäste. Vor allem die Kinder lassen sich nicht lange bitten. Aufsteigen, losreiten, strahlen – manchmal braucht es für einen glücklichen Moment gar nicht viel.

Dann schallt eine Frauenstimme über den Hof: „Kommt her, Leute, und spielt mit, die Mannschaften sind noch nicht voll!“ Es ist Sandra vom ABW, die heute als Schiedsrichterin beim Lebend-Kicker munter im Einsatz ist. Ich schaue neugierig hin – und lasse mich prompt aufs Spielfeld locken. Was gar nicht so einfach ist, denn zunächst muss ich dafür die aufgebauten Bande überwinden. Mist, dass ich inzwischen so steif geworden bin! Also krieche ich von hinten unter dem einen Tornetz hindurch, das anschließend rasch wieder festgeknüpft wird.

Nun stehe ich tatsächlich in diesem überdimensionalen Stadion – wie eine Figur auf einem Tischkicker. Jetzt stecken wir Spieler*innen unsere Hände in Handschlaufen, die auf Brusthöhe an Querstangen fixiert sind. Dadurch können wir uns pro Stange nur gemeinsam mit dem jeweiligen Mitspieler neben uns nach links oder rechts bewegen. Ziel der Übung: den Ball erreichen und irgendwie ins gegnerische Tor befördern. Ein fantastischer Spaß!

Wir feuern uns an, schießen den weichen, großen Ball mit allem, was unsere Beine hergeben. Nur ins Tor will er einfach nicht rein! Da kommt schon der Gegenangriff – und der sitzt. 1:0 gegen uns, jetzt bloß nicht aufgeben! Endlich fällt auch für uns der Ausgleichstreffer.

Nach zweimal fünf Minuten und einem Seitenwechsel dazwischen endet dieses Match dennoch 2:1 für die anderen. Und das ist meine Schuld, denn ich habe einmal gemogelt. Einfach die Hände aus den Schlaufen gezogen, um den Ball doch noch mit der Zehenspitze zu kriegen. Die Strafe folgt auf dem Fuße: Elfmeter. Pech für meine Mannschaft, dumm von mir. Aber unsere Schiedsrichterin bleibt zum Vergnügen der Zuschauenden in dieser Sache sehr streng.

BESCHWÖRUNG DES WETTERGOTTES MIT JUBILAREN

Ich muss lachen – wundere mich aber doch ein bisschen über meinen eigenen Ehrgeiz. Die anderen nehmen mir die Niederlage zum Glück nicht krumm und fordern vom Gegner sogleich Revanche. Ohne mich, sage ich, und fühle mich verschwitzt und durstig. Also ab zum Getränkewagen. Dort schieben gerade die terra-Mitarbeitenden Carsten (Betreuung), Beate (Verwaltung) und Christian (FED) ihre Schicht. Carsten mixt mir prompt eine erfrischende Apfelschorle und zwinkert mir ein fröhliches „Prost“ zu. Die drei sind wirklich ein eingespieltes Team.

Kündigen zwischendurch ein paar zaghafte dünne Regentropfen doch noch einen Wetterumschwung an? Aber nein! Nach ein paar kleinen Beschwörungen des Wettergottes verziehen sich die Wolken rasch wieder, und schon strahlt die Sonne erneut. Schönes Wetter muss an diesem Tag einfach sein. Und meistens ist es das beim terra-Sommerfest im August auch. Nur an ein einziges Jahr erinnere ich mich, in dem wir überwiegend im Schutz der Tenne gefeiert haben. Aber selbst das war großartig.

Ich mache noch einen kleinen Abstecher in den Werkraum, wo im kleinen Hofladen u.a. Holzschmalz, Kerzen und Schaffelle angeboten werden, selbstverständlich alles terraeigene Produkte. Weiter hinten im Raum steht ein großer Künstlertisch, an dem nach Herzenslust gemalt und gebastelt werden kann.

Vor der Tür beobachte ich dann, wie die Profiband „The Fridays“ auf der Bühne ihre Instrumente aufbaut und den Sound checkt. Gleich wird auf dem Hof mächtig Stimmung gemacht: mit bekannten Coversongs, Mitsingen, Tanzen und jeder Menge guter Laune.

Zuvor ehrt Henrik Thunecke aber noch die Jubilare für ihre Wohn- und Dienstjubiläen, jeweils natürlich mit kleinem Geschenk:

Dienstjubiläen sind gleich elfmal zu verzeichnen:30 Jahre ist Petra Klimkejetzt bei der terra, Bettina Rodewald und Uta Sonnefeld blicken auf immerhin 25 Jahre zurück. 20 Jahre terra weist Kerstin Krabiell auf, jeweils 15 Jahre sind Katharina Scheppmann und Mandy Reinholz dabei. 10-jährige Dienstjubiläen feiern Beate Bendfeldt, Britta Borchert, Helge Gehlhaar und Ina Villwock. Und auch eine fünfjährige Betriebszugehörigkeit wird aufgerufen: Heiko Höft.

Wohn- und Taföjubiläen: Rudi S. wohnt seit nunmehr 15 Jahren bei der terra und Martina H. seit 10 Jahren. Ebenfalls seit 10 Jahren ist Christian S. als externer Nutzer in der Tagesförderstätte der terra beschäftigt.

Allen Jubilarinnen und Jubilaren spenden die Gäste einen sehr herzlichen Applaus. Die Ehrungen für langjährige Zugehörigkeit zeigen, wie wohl sich die „Terranerinnen“ an ihrer Wirkungs- und Wohnstätte fühlen.

DIE „FRIDAYS“ MACHEN STIMMUNG

Dann legen „The Fridays“ richtig los. Während Rhythmus und Gesang den Hof erfüllen, ist im Festzelt das Buffet aufgebaut. Es gibt leckeren Nudelauflauf mit Hähnchenstreifen oder alternativ eine vegetarische Variante in Tomatensoße, dazu einen großen knackigen Sommersalat. Ich verlasse die schwungvolle Musik kurz, um mich für die Rückfahrt zu stärken. Auch an anderen Tischen wird schon tüchtig gespeist. Das Stimmengewirr erzählt von fröhlichen Gesprächen, schönen Begegnungen und einem rundum gelungenen Tag.

Eigentlich würde ich jetzt gern noch bleiben. Denn die „Fridays“ machen wirklich ordentlich Stimmung. Auch das ist bei den Sommerfesten der terra immer ein wunderbarer Ausklang: feiern, tanzen, lachen, gemeinsam den Abend genießen – zu mitreißender Musik, handgemacht von echten Profis.

Ich freue mich für alle, die noch verweilen und diesen herrlichen Abend auskosten können. Für mich heißt es jetzt allerdings Abschied nehmen. Tschüß nach links und rechts, dann steige ich in mein Auto und mache mich auf den Heimweg über Land- und Kreisstraßen.

Mittlerweile steht die Sonne tief. Das Licht legt sich warm über die Landschaft und färbt die Felder in ein wunderschönes Abendrot. Gemächlich und versonnen gondel ich zurück. Und während hinter mir Belau und das Sommerfest langsam in der Ferne verschwinden, spüre ich: Das war auch für mich ein richtig glücklicher Tag!

Bericht: Anna Greve-Sonnenberg, Hannover

Impressionen


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